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Recruiting-Trends 2026: KI und Strategie

Manche Trends zeigen sich schon seit Jahren. In anderen Bereichen hat ein Umdenken begonnen. Personalberater Hans Ulrich Gruber nimmt Stellung zu aktuellen Recruiting-Trends.

An KI kommt keiner vorbei. Das gilt auch für den HR-Bereich. Wie gut die automatisierten Prozesse künftig dazu führen, geeignete Kandidaten auszuwählen, wird davon abhängen, wie die Verbindung zwischen geschultem Personal und der KI funktioniert. Bei den Xing Recruiting Trends heißt es dazu: „Der wahre Erfolgsfaktor liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in den Menschen, die sie nutzen. Denn: Wer klug rekrutieren will, braucht Daten und Menschen am gleichen Tisch.“ Das kann auch Personalberater Hans Ulrich Gruber bestätigen.

„Der Erfolg im Interview hängt am positiven Erlebnis des Dialoges. Und das geht nur mit guter Vorbereitung und einem Gespräch auf Augenhöhe. KI kann hier sehr gut unterstützen oder es komplett vergeigen, das ist das Spannende daran“, sagt er.

KI kann unterstützen unter diesen Voraussetzungen

Während die KI dabei unterstützen kann, Lebensläufe nach zuvor wohl überlegten Kriterien vorzusortieren, benötigen die Personen in der Abteilung neue Skills. „Datenverständnis, algorithmische Denkweise und die Fähigkeit, KI-Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, gehören zu den gefragten Skills.“ Sonst kann die KI den Prozess nicht sinnvoll unterstützen. Die Folge: geeignete Kandidaten werden eventuell nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen, die Vorauswahl nicht bestmöglich gestaltet. „Als Branchenspezialist im Headhunting fällt mir auf, viel relevantes kann die KI nicht aufsaugen, denn es entspringt der Interpretation aus Branchenerfahrung“, berichtet Gruber aus seiner Erfahrung.

Strategischer Ansatz immer wichtiger

Neben dem anhaltenden Trend zu KI und Automatisierung wird gleichzeitig der strategische Ansatz immer wichtiger. „Organisationsaufstellung, Personalgrößen, Skills und nachhaltige Strukturen im Team und in der Organisation rücken in den Fokus. Recruiting positioniert sich als Business-Enabler mit messbarer Wertschöpfung statt als Kostenfaktor. Dafür braucht es eine strategische Ausrichtung“, heißt es in den Recruiting Trends bei Stepstone.

Personalberater Hans Ulrich Gruber beobachtet diesen Trend zur strategischen Personalplanung in der Praxis: „Da gibt es den Dauerbrenner Demographie. Deshalb ist es einfach notwendig, die Entwicklung der nächsten Jahre vorwegzunehmen und gezielt zu planen.“ Knowhow müsse aufgebaut, Prozesse umgestaltet werden. Die KI könne in diesem Prozess gut unterstützen. „Ein guter Prozess und technische Unterstützung können dafür sorgen, dass auch geringer qualifizierte oder Fachkräfte aus dem Ausland eine Aufgabe erledigen können. In Zeiten des Mangels an klassischen Fachkräften eine sehr gute Lösung.“

Trend zu Quereinsteigern bleibt

Quereinstieg ist ein weiterer Recruiting-Trend 2026. „Der Fachkräftemangel zwingt HR-Abteilungen zum Umdenken – und zur Bewertung von Potential statt linearer Lebensläufe. 61 Prozent der HR-Verantwortlichen bestätigen bereits, dass Quereinsteiger/-innen helfen, die Talentlücke zu schließen“, heißt es bei Xing. Ein Trend, den Gruber gerade in der Baubranche schon lange erlebt. „Die Branche ist aufgrund des Fachkräftemangels auf Quereinsteiger und Rückkehrer aus der Industrie angewiesen“, sagt er. In anderen Branchen, wie der IT, sei der Quereinstieg dagegen aufgrund des vorausgesetzten Fachwissens schwieriger.

KI, strategische Personalplanung und das vermehrte Einstellen von Quereinsteigern gehört zu den Recruitingtrends 2026. Diese kommen nicht plötzlich, sondern haben sich schon länger angekündigt und sind der aktuellen Situation am Arbeitsmarkt geschuldet. Neue technische Möglichkeiten treffen auf eine schwierige demographische Situation und Unternehmen, die aufgrund der wirtschaftlichen Voraussetzungen sehr genau planen und gezielt einstellen müssen. Zur Automatisierung sagt Gruber aus eigenem Erleben: „Wer, wie ich, Prozesse automatisiert, muss wie ein Programmierer alle Wenn/Danns durchdenken, sonst wird es ganz schnell peinlich.“

Bild: stock.adobe.com / Elnur